Österreichisches Innenministerium berichtet über Kontrollen gegen Menschenhandel in der Wiener Sexindustrie

Das österreichische Bundesministerium für Inneres (BMI) hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der detailliert beschreibt, wie die Polizei Wiens Rotlichtszene überwacht, um Menschenhandel und illegale Prostitution aufzudecken. Der Bericht erscheint in der neuesten Ausgabe des Magazins für öffentliche Sicherheit des Ministeriums und bietet Einblicke in routinemäßige Polizeieinsätze, gesetzliche Regelungen und laufende Herausforderungen.

Laut BMI führen spezialisierte Beamte des Wiener Landeskriminalamts und des Bundeskriminalamts regelmäßig gezielte Kontrollen in Studios, Bordellen und sogenannten „Laufhäusern“ durch. Diese Kontrollen sollen sicherstellen, dass Sexarbeit freiwillig und legal ist und gleichzeitig mögliche Fälle von Ausbeutung oder Zwang identifizieren.

Legale Prostitution und strenge Regeln

Das Ministerium betont, dass Prostitution in Österreich legal ist, jedoch nur unter strengen Bedingungen. Sexarbeiter müssen volljährig sein, einen legalen Aufenthaltsstatus haben und sich regelmäßigen medizinischen Untersuchungen unterziehen. In Wien wird dieses System durch das Wiener Prostitutionsgesetz von 2011 geregelt.

Eine wichtige Voraussetzung ist die sogenannte „grüne Karte„, ein offizielles Kontrolldokument, das von der Stadt Wien ausgestellt wird.

Sie bestätigt, dass Gesundheitsuntersuchungen alle sechs Wochen durchgeführt werden, mit Bluttests alle zwölf Wochen.

Laut BMI gilt dieser rechtliche Rahmen als einer der fortschrittlichsten in Europa und gibt der Polizei klarere Befugnisse bei Kontrollen, einschließlich verdeckter Ermittlungen.

Polizei setzt auf Vertrauen und Beobachtung

Bei Kontrollen überprüfen Beamte Ausweisdokumente, Aufenthaltspapiere und Gesundheitskarten. Mobile Technologie ermöglicht es ihnen, Dokumente vor Ort zu scannen und sofort auf Datenbanken zuzugreifen, was den Prozess beschleunigt.

Das BMI betont jedoch, dass Papierkram nur ein Teil der Arbeit ist. Informelle Gespräche mit Sexarbeitern spielen eine entscheidende Rolle. Beamte werden darin geschult, Anzeichen von Druck, Abhängigkeit oder Angst zu erkennen. Das Ziel, so heißt es im Bericht, ist Schutz statt Bestrafung. Die Polizei möchte, dass Sexarbeiter wissen, dass sie um Hilfe bitten können, wenn sie sich bedroht oder ausgebeutet fühlen.

Verlagerung zur illegalen Wohnungsprostitution

Ein Hauptanliegen, das im Bericht hervorgehoben wird, ist der Anstieg der illegalen Prostitution in Privatwohnungen, ein Trend, der während der COVID-19-Pandemie zugenommen hat und bis heute anhält.

Viele Dienstleistungen werden nun über Online-Plattformen angeboten, wo Kunden direkt Kontakt zu Frauen aufnehmen und Treffen in Wohngebäuden vereinbaren.

Während dies für Kunden diskreter erscheinen mag, warnt das BMI, dass es die Risiken für Sexarbeiter erhöht.

Illegale Wohnungsprostitution umgeht Gesundheitskontrollen und rechtliche Aufsicht, und Frauen wissen oft nicht, wer auftauchen wird.

Für die Polizei macht dies die Überwachung schwierig und die Identifizierung von Menschenhandelsopfern erheblich schwieriger.

Um dies anzugehen, erlaubt das österreichische Gesetz verdeckte Online-Ermittlungen. Beamte dürfen sich als Kunden ausgeben, Treffen vereinbaren und eingreifen, sobald eindeutig eine illegale Dienstleistung angeboten wird.

Der Bericht beschreibt einen aktuellen Fall, bei dem in einer gemieteten Wohnung illegale Prostitution bestätigt wurde, was zu Geldstrafen für die Beteiligten führte.

Internationale Zusammenarbeit gegen Menschenhandel

Das BMI hebt auch die starke Zusammenarbeit zwischen österreichischen Behörden und internationalen Partnern hervor. Menschenhandelsfälle beinhalten oft grenzüberschreitende Netzwerke, und Österreich dient sowohl als Transit- als auch als Zielland.

Die Polizei arbeitet eng mit Steuerbehörden, regionalen Polizeieinheiten und ausländischen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Laut Ministerium bedeutet illegale Prostitution allein nicht automatisch Menschenhandel, kann aber ein wichtiges Warnzeichen sein.

Der Bericht behandelt auch legale Straßenprostitutionszonen in Wien, wie ausgewiesene Straßen, wo die Praxis unter strengen Regeln erlaubt ist. Die Polizei kontrolliert in diesen Bereichen regelmäßig Dokumente und spricht mit Sexarbeitern. Viele Frauen, so stellt das BMI fest, sehen die Kontrollen positiv, weil sie die Sicherheit erhöhen und eine Anlaufstelle im Problemfall bieten.

Ein schwieriger Balanceakt

Abschließend beschreibt das Innenministerium den Kampf gegen Menschenhandel als komplex und anspruchsvoll. Eindeutige Beweise sind oft schwer zu erlangen, Opfer haben möglicherweise Angst zu kooperieren, und Ausbeutung kann verborgen bleiben.

Laut BMI wird der Erfolg der Polizeiarbeit in diesem Bereich nicht allein an Verhaftungen gemessen, sondern an Prävention, Vertrauensbildung und dem Schutz gefährdeter Menschen. Das Ministerium sagt, sein Ansatz zielt darauf ab, Strafverfolgung mit menschlicher Würde in einem Sektor auszubalancieren, der nach wie vor schwer zu regulieren ist.

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